Anfang März wird im Pahl-Rugenstein Verlag Bonn das Buch
"Das Baskenland.
Wege zu einem gerechten Frieden. Ein Gespräch mit Arnaldo Otegi"
erscheinen. - Arnaldo Otegi (geb.1958) ist Sprecher der seit 2003
im spanischen Staat verbotenen baskischen Partei Batasuna (Einheit)
und anerkanntes mitglied der Verhandluingskommission, die vergangenes
jahr mit der spanischen Regierung verhandelte. Nach Scheitern der
Verhandlungen wurde er im Juni 2007 eingesperrt. (Am 14.März um
20 Uhr wird das Buch in der jW-Ladengalerie vorgestellt. Am 16.2.erschien
folgender Auszug in der Jungen Welt)
"Das heutige Entwicklungsmodell des Planeten ist untragbar"
- Über die Chancen, Selbstbestimmung für das Baskenland zu erreichen,
über ehrliche Sozialdemokraten und die sozialistischen Ziele seiner
Partei
Seit fünf Jahrhunderten können die Basken nicht selbst über sich
entscheiden. Wo verorten Sie heute die Forderung nach diesem Recht?
Es ist ein demokratisches Recht, das letztendlich den Konflikt in
diesem Land lösen wird. Wir fordern kein politisches Projekt ein,
sondern ein demokratisches Recht, das vom Völkerrecht anerkannt
wird. Manche wollen glauben machen, daß es sich um ein Recht handelt,
das seinerzeit von den Vereinten Nationen reguliert wurde, um den
Entkolonialisierungsprozeß einzuleiten. Das ist richtig. Aber es
ist auch offensichtlich, daß in den letzten zehn Jahren Staaten
in Osteuropa das Selbstbestimmungsrecht ausgeübt haben. Auch die
Lösung des Konflikts in Irland hat mit diesem Recht zu tun. Folglich
ist unsere Forderung absolut aktuell. Und es ist der zentrale Kern
dessen, was die Lösung des baskischen Konflikts sein kann. (.)
Warum sehen Sie jetzt realisierbare Chancen, daß Madrid das Baskenland
als solches anerkennt, obwohl das all die Jahrhunderte nicht geschehen
ist? Welches neue Element haben Sie festgestellt?
Wir wissen nicht, ob das realisierbar ist. Wir vertreten den Standpunkt,
daß die 25 Jahre seit dem Beginn der Transición, dem Übergang von
der Franco-Diktatur zur parlamentarischen Monarchie, nicht ergebnislos
verlaufen sind. Und daß die abertzale (baskisch-patriotische, d.
Red.) Linke dabei verstanden hat, einen politischen, volksnahen
und kampffähigen Pol aufrechtzuerhalten, der alle Pläne dieses Staates
- sein letzter war das Parteiverbot - neutralisiert hat. Wir sind
uns auch bewußt, daß der spanische Staat seine Gebietsstruktur einem
Reformprozeß unterwirft. Wenn Herr Zapatero ein Staatsmann ist,
versucht er vielleicht, diesen Prozeß der Gebietsreform mit der
Lösung des baskischen Konflikts zu verbinden. Aber das ist eine
Annahme. Wir wissen nicht, ob es umsetzbar ist, noch sagen wir,
daß es umsetzbar sein wird. Wir haben nicht die Hoffnung, daß der
Staat selbstlos und aus gutem Willen handelt. Wir wissen, daß er
uns nichts schenken wird - aber wie sehen Elemente, die in diese
Richtung zeigen. Dabei ist uns klar, daß es auf jeden Fall ein langer
Kampf sein wird. (.)
Gibt es dafür aus heutiger Sicht ein definierbares Zeitfenster?
Wieviel Zeit verginge von der Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts
bis zu seiner tatsächlichen Ausübung?
Man kann zwei Phasen unterscheiden. Die erste verstehen wir als
die vordringlichste. Das ist die Anerkennung von Euskal Herria (Baskenland
- d. Red.) als Nation und somit als Subjekt mit politischen Rechten.
Damit überwindet man den politischen Konflikt. Und es gibt eines
zweite Phase: Die Ausübung des Selbstbestimmungsrechts. Es ist klar,
daß seine Anwendung der Absprache bedarf, wobei man die unterschiedlichen
Sensibilitäten, Kräfteverhältnisse und politischen Kulturen berücksichtigt.
Das muß über ein Abkommen geschehen. Wann wird die abertzale Linke
die Ausübung des Selbstbestimmungsrechts vorschlagen? Logischerweise
in dem Moment, wenn es gesellschaftlich und politisch offensichtlich
ist, daß die baskische Gesellschaft und das baskische Volk bereit
und ausreichend gefestigt sind, um diesen Sprung zu wagen und einen
unabhängigen Staat zu bilden. Ich wage es nicht, von Zeiträumen
zu sprechen.
Was antworten Sie denen, die meinen, daß es im Rahmen des jetzigen
Autonomiestatuts bereits eine Entscheidungsfähigkeit gibt?
Ganz einfach: Daß es eine Lüge ist. Heute können wir Basken weder
über die Zukunft noch über die Gegenwart entscheiden. (.)
Lassen Sie uns nach Europa zurückkehren. Wie glauben Sie, sieht
man dort die Möglichkeit, daß es eine neue anerkannte Nation geben
kann? In den letzten Jahren hat es vor allem in Osteuropa vergleichbare
Vorgänge geben, aber in Westeuropa wäre das etwas Neues...
Ich würde gerne einige Dinge festhalten, die man bei Europa berücksichtigen
muß. Erstens gibt es wohl keinen demokratischen Staatsbürger in
Europa, der einen Zweifel daran hätte, daß Euskal Herria heute ein
Staat in Europa wäre, wenn seine geographischen Grenzen die von
Lettland, Litauen oder Estland gewesen wären. Zweitens sehen wir
gerade, wie der Europäischen Union Länder beitreten mit einer geringeren
Bevölkerungsdichte als das Baskenland, mit größeren wirtschaftlichen
Problemen, die die Maastricht-Kriterien - mit denen wir nicht einverstanden
sind - schlechter erfüllen. So betrachtet, würde der Beitritt des
Baskenlandes zur EU überhaupt kein Problem darstellen. Das Problem
ist aber ein anderes: Es betrifft zwei europäische Staaten. Und
die europäische Politik setzte bisher auf die Nichteinmischung in
die von ihr so genannten inneren Probleme. Deshalb ist es wichtig,
die Lösung des Konflikts nach Europa zu tragen - es ist ja ein europäisches
Problem. Man muß eine Lösung im europäischen Rahmen finden. Es ähnelt
dem, was die Kurden vorschlagen.
Erklären Sie das.
Die Kurden sind daran interessiert, daß die Türkei der EU beitritt.
Und das ist eng mit der Notwendigkeit verbunden, das kurdische Problem
in ein europäisches zu verwandeln. Die Kurden meinen, daß es in
diesem geographischen und politischen Szenario einfacher sein wird,
eine Lösung für ihren Konflikt zu finden. Mein Standpunkt ist, daß
nicht viel dagegen einzuwenden ist, wenn man einen neuen Staat in
Europa schafft, sobald dies demokratisch geschieht. (.)
Einige Führer der spanischen Sozialistischen Partei PSOE haben bereits
vorgeschlagen, daß es eine ähnliche Erklärung wie die der Downing
Street (des englischen Premiers John Major und des irischen Regierungschefs
Albert Reynolds 1993 - d. Red.) geben könnte. Ist das vergleichbar?
Ja, sehr. In dem geographischen Kontext, in dem wir uns bewegen,
würde eine solche Erklärung die Grundlagen für eine bessere Zukunft
legen. Natürlich müßte es eine Downing-Street-Erklärung auf spanische
Art sein, in der der spanische Regierungschef die Existenz der baskischen
Nation anerkennen würde und versprechen würde, das, was die politischen
Parteien am Verhandlungstisch beschließen, zu respektieren.
Bei diesem Beispiel antworten viele immer, daß die Iren sehr gerne
über die Kompetenzen verfügen würden, die die Basken bereits besitzen...
Das hängt davon ab, welche Iren man meint: Die im Süden besitzen
alle Kompetenzen, sie haben einen unabhängigen Staat. Wir verweisen
nachdrücklich darauf, daß man einen Konfliktlösungsprozeß nicht
mit einem Prozeß um Kompetenzen vermischen darf. Wir würden Kompetenzen
gegen das eintauschen, was das irische Volk besitzt: Das Recht,
seine Zukunft frei und demokratisch zu entscheiden. In einer ersten
Phase eines Lösungsprozesses sollte man das Kompetenzthema nicht
ansprechen, sondern den Kern des Konfliktes: Das ist die Existenz
des Baskenlandes und sein Selbstbestimmungsrecht. (.)
Gibt es realistische Alternativen zu den Regierungsmodellen, die
momentan von den Institutionen umgesetzt werden, und die sich auch
nicht so sehr unterscheiden, ob jetzt die PNV, UPN oder die PSOE
gerade regiert?
Nach dem Zusammenbruch des Sowjetblocks sprach jemand vom Ende der
Ideologien und der Geschichte. Der Fall dieses Blocks ließ die weltweite
Linke - auch, wenn sie mitunter starke Kritiken an diesem Block
hatte -, an Orientierung verlieren. Auf der anderen Seite sind wir
davon überzeugt, daß uns das neoliberale und kapitalistische Modell
in die Katastrophe führt. Das ist ein Planet, auf dem jeden Tag
Zehntausende Kinder sterben, weil sie nichts zu Essen haben. Um
mit dem Hunger in der Welt aufzuräumen, benötigte man Hunderte Milliarden
US-Dollar. Sehr viel Geld. Ungefähr dieselbe Summe, die die US-Amerikaner
jedes Jahr für ihre Haustiere ausgeben. Die zweite Todesursache
in der Welt ist fehlendes Trinkwasser. Auch hier hat man ausgerechnet,
wieviel es kosten würde, damit alle Welt über ausreichend sauberes
Trinkwasser verfügt. Es ist die Summe, die wir Europäer jedes Jahr
für Kosmetik ausgeben. Das sind die Gründe, die rechtfertigen, warum
wir Sozialisten sind. Wenn das noch nicht ausreichen sollte, muß
man nur einmal auf die Flüchtlingsdramen in Melilla und Ceuta schauen.
Das bestätigt mich darin, daß die Formel "Sozialismus oder
Barbarei" eine große Wahrheit darstellt. Das momentane Entwicklungsmodell
dieses Planeten mit seinen Ungerechtigkeiten ist untragbar. Es gibt
nur eine Art, dieser Situation entgegenzutreten: Ein sozialistisches
Modell vorzuschlagen, das den Menschen ins Zentrum aller Notwendigkeiten
setzt. (.)
Gibt es eine linke Kraft in Europa, in der Sie sich wiederfinden?
Wir haben es immer vorgezogen, Modelle nicht zu kopieren, weil jedes
Modell seine positiven aber auch seine negativen Seiten hat. Aber
ich stelle schon ein Phänomen fest, das glücklicherweise in Europa
Form annimmt. Es gibt einen Bereich der Sozialdemokratie, der ehrlich
an einen Weg zu einer gerechteren Gesellschaft glaubt, und der jetzt
begonnen hat, sich gegen den Niedergang zu artikulieren, den der
Sozialliberalismus darstellt. Wir haben das Beispiel der Linkspartei
in Deutschland, das uns zeigt, daß es eine Linke links von der Sozialdemokratie
gibt. In diesem Raum - links von der Sozialdemokratie - fühlen auch
wir uns am wohlsten. (.)
Batasuna spricht auch von der Verteidigung aller bürgerlichen wie
politischen Rechte. Wie konkretisieren Sie das?
In Situationen des Konflikts und der Konfrontation wie der aktuellen
verteidigst du die Grundrechte, wenn du Auswege aus dem Konflikt
suchst. Von unserem Standpunkt aus betrachtet sind die bürgerlichen
und politischen Freiheiten sowie Rechte nicht diskutierbar. Uns
belustigen die Diskussionen über die hohe oder niedrige Qualität
der spanischen Demokratie. Das ist wie mit dem Schwangersein: Entweder
man ist es oder man ist es nicht. Entweder gibt es Demokratie oder
es gibt keine Demokratie. Und im spanischen Staat gibt es keine
Demokratie. Bei seinem Versuch, die abertzale Linke zu liquidieren,
hat dieser Staat die Rechte und Freiheiten der gesamten Gesellschaft
beschnitten. Der kraftvolle Einsatz für die Konfliktlösung und den
nationalen Aufbau muß andauernd einhergehen mit dem Einsatz für
die bürgerlichen Rechte und Freiheiten.
Immer wenn Batasuna von Rechten spricht, dann wird sie von anderen
Seiten daran erinnert, daß sie weder die Aktionen der ETA verurteilt
noch die kale borroka, den Straßenkampf.
Eben habe ich von dem Paradigma gesprochen, daß der Kapitalismus
es geschafft hat, der öffentlichen Meinung ein bestimmtes Konsumverständnis
aufzudrängen. Im politischen Umfeld gibt es ein weiteres Paradigma:
Den Versuch, der Vorstellungswelt der Bürgerinnen und Bürger aufzuzwängen,
daß die abertzale Linke für den Grad an Gewalt verantwortlich ist,
den es in diesem Land gibt, daß die Gewalt von der ETA kommt oder
von volksnahen Schichten, während andere Parteien oder Regierungen
überhaupt nichts mit der Gewalt zu tun haben. Das führt dazu, daß
diejenigen, die die spanische Verfassung verteidigen, die wiederum
in ihrem Artikel acht der Armee die Verteidigung des Vaterlandes
überträgt, überhaupt nichts mit der Gewalt zu tun haben. Das führt
dazu, daß die, die in Gasteiz regieren, auch nichts damit zu tun
haben, was die Ertzaintza (Polizeitruppe in der Autonomen Baskischen
Gemeinschaft - d. Red.) gemacht hat. In diesem Land gab es Anschläge
auf das Leben durch die ETA, den GAL (die 1983 von der spanischen
PSOE-Regierung gegründete Geheimtruppe tötete mindestens 29 Basken
- d. Red.), der Guardia Civil, der spanischen Nationalpolizei, der
Ertzaintza und den militärischen Geheimdienst Cesid. Das heißt,
es gibt eine Gewalt des Staates mit all seinen Variabeln, und es
gibt eine Gewalt von der ETA, die wir als eine Antwort sehen. Vor
diesem Hintergrund setzen wir uns dafür ein, ein Szenario zu finden,
in dem man alle Rechte aller Menschen im ganzen Baskenland respektiert.
Die Staaten sollen endgültig darauf verzichten, juristische oder
militärische Erpressung zu benutzen, mit denen sie verhindern wollen,
daß dieses Volk frei und demokratisch seinen Willen ausdrückt. (.)
Batasuna definiert sich als sozialistisch: aber welche Art von Sozialismus
ist das? Können Sie uns einige Eckpunkte nennen?
Batasuna versteht sich als eine politische Organisation, die sich
als strategische Ziele die Unabhängigkeit und den Sozialismus gesetzt
hat. Und seit ihrem Ursprung verbindet diese "Unidad Popular"
in ihrem Innern ideologische Positionen, die vom Kommunismus bis
zu den progressiven christlichen Bereichen reichen. Sie ist also
eine linke und sozialistische Organisation. Außerdem sind wir der
Überzeugung, daß ein Unabhängigkeitsprojekt in Euskal Herria nur
mehrheitsfähig sein kann, wenn es ein sozial gerechtes und egalitäres
Modell für unser Volk mit sich bringt. Wir glauben, objektiv betrachtet,
daß das baskische Unabhängigkeitsprojekt die Arbeiterklasse und
die Volksschichten unseres Landes anspricht. Und weil das so ist,
werden diese Volksschichten im Unabhängigkeitsprozeß zu einem sozialistischen
Szenario zusammenfließen. Andererseits versucht die abertzale Linke
ein eigenes sozialistisches Modell aufzubauen, ein Modell, das sich
der konkreten Realität unseres Volkes anpassen muß. Wir sind überzeugt,
daß der Schlüssel für den Aufbau eines anderen Euskal Herria darin
liegt, daß der Mensch im Mittelpunkt der wirtschaftlichen und politischen
Aktivität steht.
Auch wenn die Gefahr besteht, dass Klischees vereinfachen: Wem stehen
Sie näher? Was trennt Sie von der Sozialdemokratie, vom Marxismus...?
Ich persönlich bezeichne mich als Marxisten. Der Marxismus ist ein
unerläßliches und notwendiges Werkzeug, um die Gesellschaft zu analysieren
und umzubauen. Von der Sozialdemokratie denke ich, daß sie hauptsächlich
entstand, um die sozialistische Revolution zu bremsen. Das war ihr
Hauptanliegen. Und als der Kalte Krieg zu Ende war, mit dem Zusammenbruch
des Sowjetblocks, gerät sie in die Krise. Da ja die sozialistische
Revolution am Horizont nicht mehr sichtbar ist, was ist dann die
Rolle der Sozialdemokratie in Europa? In der Folge haben wir es
mit einer geteilten Sozialdemokratie zu tun: Es gibt diejenigen,
die beschlossen haben, offen die Maske abzulegen und die Thesen
des Sozialliberalismus anzunehmen, wie das bei Blair und Schröder
der Fall ist. Und es gibt solche, die sich vorgenommen haben, weiterhin
den Wohlfahrtsstaat gegen die neoliberale Aggression zu verteidigen.
Das kann der Fall bei einigen Teilen des deutschen und französischen
Sozialismus sein. Das Entstehen der Linkspartei in Deutschland ist
eine direkte Folge dieser Krise. Sicher ist, daß sich für die abertzale
Linke ein Weg hin zur Möglichkeit einer europäischen Linken jenseits
der Sozialdemokratie öffnet, einer Linken, die sich mit den Volksschichten
und aufstrebenden Bewegungen aus anderen Zusammenhängen verbinden
kann. Das ist eine zum Umbau fähige Linke, die - trotz der bestehenden
Einschränkungen im weltweiten geopolitischen Rahmen - nicht aufhört,
eine radikal andere Welt als die jetzige zu schaffen. Genau mit
dieser Linken können wir uns am besten identifizieren.
Sie sprechen von einem sozialistischen Projekt im europäischen Rahmen.
Es ist mehr oder weniger klar, daß die Gesundheitsversorgung im
staatlichen System verbleiben soll, um den Wohlfahrtsstaat zu garantieren,
aber glauben Sie, daß man der Willkür des Marktes Bereiche wie die
Grundversorgung, die Energie oder das Finanzsystem überlassen soll?
Oder sind Sie für die Verstaatlichung der Produktivbereiche?
Von einem sozialistischen Projekt zu sprechen, bedeutet von einem
Projekt zu reden, das die wirtschaftlichen, kulturellen, Bildungs-
und Gesundheitsinteressen der Bevölkerungsmehrheit den Interessen
des Kapitals vorzieht. Man muß verstehen, daß die Politik Alternativen
schaffen muß, die diese Interessen befriedigt. Und man muß vor allem
von einem humanen Projekt, von einem demokratischen Projekt sprechen.
Wenn wir das Leben des Planeten oder das derer, die wir ihn bevölkern,
dem Wagnis aussetzen, den Markt entscheiden zu lassen, dann ist
das - neben einer ethischen Unverantwortlichkeit - die beste Garantie
für eine radikal ungerechte Welt. Der ideologische Kampf zwischen
Sozialisten und Liberalen ist der Kampf der Vernunft gegen das egoistische
Interesse einiger weniger, die auf Kosten der übergroßen Mehrheit
leben.
Batasuna verteidigt deshalb ein Projekt, in dem die Gesundheit,
die Bildung, die Gleichheit der Geschlechter, die Lebensmittelqualität
oder das Recht auf ein würdiges Leben die Ziele des politischen
Handelns sind; ein Handeln, das unserer Meinung nach eben von diesem
Standpunkt her verstanden werden muß. Und deshalb betrachten wir
es als notwendig, einen starken, entwickelten und modernen öffentlichen
Sektor aufzubauen, der außerdem transparent geführt wird, damit
er unsere Wirtschaft im Dienste der arbeitenden Mehrheit unseres
Landes vorantreibt. Heute allerdings sind es die multinationalen
Konzerne und die großen Teile des Finanzkapitals, die von ihren
Interessen her die Politik Europas und der Welt bestimmen.
* Übersetzung aus dem Spanischen: Ingo Niebel und Ralf Streck