Urgent Action
UA-Nr: UA-176/2007
AI-Index: MDE 13/082/2007
Datum: 07/06/2007
GEWALTLOSER POLITISCHER GEFANGENER
/ GESUNDHEITSZUSTAND
Iran:
Mahmoud Salehi, Gewerkschafter
Der Gewerkschafter Mahmoud Salehi, der sich seit dem 9. April 2007
in Haft befindet, ist schwer erkrankt und erhält Berichten zufolge
nicht die erforderliche fachärztliche Betreuung. amnesty international
geht davon aus, dass es sich bei ihm um einen gewaltlosen politischen
Gefangenen handelt, der allein aufgrund der Wahrnehmung seines Rechts
auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit im Zusammenhang
mit Demonstrationen vom 1. Mai 2004 sowie seinen gewaltfreien Gewerkschaftsaktivitäten
in Haft gehalten wird.
Mahmoud Salehi ist Sprecher des Organisationsausschusses zur Gründung
von Gewerkschaften, ehemaliger Vorsitzender der Bäckerinnung von
Saqez und Mitbegründer des Koordinationsausschusses für die Gründung
von Arbeitnehmervertretungen. Er war zusammen mit sechs weiteren
Gewerkschaftsvertretern nach einer friedlichen Demonstration im
Rahmen der Veranstaltungen zum 1. Mai 2004 festgenommen worden.
Alle Festgenommenen kamen im selben Monat gegen Kaution frei. Im
November 2005 wurde der Gewerkschafter dann zu fünf Jahren Haft
und drei Jahren interner Verbannung in der Stadt Ghorveh in der
im Nordwesten des Landes gelegenen Provinz Kurdistan verurteilt.
In dem Gerichtsverfahren brachte die Staatsanwaltschaft seine gewerkschaftlichen
Aktivitäten als Beweise gegen Mahmoud Salehi vor. Dabei verwies
die Anklagebehörde auf ein Treffen mit Vertretern der internationalen
Gewerkschaftsdachorganisation "International Confederation
of Free Trade Unions" (ICFTU) im April 2004 kurz vor den Mai-Demonstrationen.
Der Schuldspruch wurde zwar im Berufungsverfahren aufgehoben, aber
im Neuverfahren verurteilte ihn das Revolutionsgericht von Saqez
im November 2006 wegen "der Planung von Verbrechen gegen die
Staatssicherheit" unter Berufung auf § 610 des islamischen
Strafgesetzbuches zu vier Jahren Haft. Nach einem erneuten Rechtsmittel
wurde das Strafmaß im jüngsten Berufungsverfahren am 11. März 2007
auf ein Jahr Gefängnis und eine dreijährige Bewährungsstrafe reduziert.
Mahmoud Salehi wurde am 9. April 2007 in Haft genommen. Sein Sohn
beschreibt auf einer Webseite des Solidaritätsnetzwerks iranischer
Arbeiter die Festnahme seines Vaters:
"Ein Angehöriger der Sicherheitskräfte von Saqez erschien am
Arbeitsplatz meines Vaters und teilte ihm mit, der Gouverneur und
der Staatsanwalt wollten mit ihm über die Veranstaltungen des diesjährigen
Mai-Feiertages sprechen. Mein Vater ging daraufhin .... mit diesem
Sicherheitsbeamten zum Gerichtsgebäude. Kurz nachdem sie das Gerichtsgebäude
betreten hatten, war meinem Vater sofort klar, dass es nicht um
die Veranstaltungen im Rahmen des diesjährigen Mai-Feiertages ging.
Tatsächlich ging es um den 1. Mai 2004 und die in diesem Zusammenhang
gegen meinen Vater verhängte vierjährige Haftstrafe. Vor kurzem
hat das Berufungsgericht die Haftstrafe auf ein Jahr und drei Jahre
auf Bewährung reduziert, welche die Justizbehörden nun in rechtswidriger
Weise umzusetzen versuchen. Die Justizbehörden setzten trotz der
Proteste meiner Eltern und der Weigerung meines Vaters, die Einweisung
ins Gefängnis zu unterzeichnen, strenge Sicherheitsmaßnahmen ein.
Mehrere Beamte umstellten ihn und drängten ihn in ein Auto. Das
Fahrzeug, in dem mein Vater saß wurde von mehreren Polizeiautos
begleitet und fuhr mit unbekanntem Ziel aus der Stadt. Mein Vater
ist der erste, bei dem die Haftanordnung auf diese Weise umgesetzt
wurde und den man auf direktem Wege ins Gefängnis brachte. Die Anordnung
über den Haftantritt hätte meinem Vater im Vorfeld zugestellt werden
müssen, damit er sich hätte darauf vorbereiten können".
Mahmoud Salehi hat nur eine Niere und leidet Berichten zufolge an
Nierensteinen. Er benötigte nach vorliegenden Informationen deshalb
eine regelmäßige Dialyse. Ein Gutachten seines Arztes, in dem dieser
erklärte, Mahmoud Salehi müsse außerhalb des Gefängnisses behandelt
werden, wurde am 15. Mai 2007 an die Gefängnisbehörden überstellt.
Der Rechtsanwalt von Mahmoud Salehi gab am 8. Juni 2007 bekannt,
sein Mandant sei aus Protest gegen seine Inhaftierung im Gefängnis
von Sanandaj, welches 400 Kilometer vom Wohnort seiner Familie entfernt
liegt, in den Hungerstreik getreten. amnesty international ist nicht
bekannt, ob er seinen Hungerstreik fortsetzt. Berichten zufolge
leidet der Gewerkschafter zudem an Herz- und Darmbeschwerden. Am
17. Juni 2007 lieferte man ihn zwar in das Towhid-Krankenhaus von
Sanandaj ein, brachte ihn aber später wieder ins Gefängnis zurück.
Mahmoud Salehi werden sowohl Besuche seines Anwalts als auch seiner
Familie untersagt, seine Familie durfte lediglich mit ihm telefonieren.
Er war bereits zuvor mehrfach festgenommen worden.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte E-Mails oder Luftpostbriefe,
in denen Sie
" sich angesichts der Berichte besorgt zeigen, denen zufolge
sich der inhaftierte Gewerkschafter Mahmoud Salehi im Gefängnis
von Sanandaj in sehr schlechter gesundheitlicher Verfassung befindet,
und fordern, dass er umgehend jegliche erforderliche medizinische
Versorgung erhält, falls nötig, auch außerhalb des Gefängnisses;
" die Behörden auffordern, Mahmoud Salehi den regelmäßigen
Kontakt zu seiner Familie und seinem Rechtsanwalt zu gewähren;
" fordern, dass Mahmoud Salehi sofort und bedingungslos freigelassen
wird, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der allein
aufgrund der friedlichen Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung
im Zusammenhang mit den Demonstrationen am 1. Mai 2004 und seiner
gewaltfreien Gewerkschaftsaktivitäten in Haft gehalten wird.
APPELLE AN:
His Excellency Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei, Leader of the Islamic
Republic, The Office of the Supreme Leader, Shoahada Street, Qom,
IRAN
(Religionsführer - korrekte englische Anrede: Your Excellency)
E-Mail: info@leader.ir; istiftaa@wilayah.org
Telefax: (00 98) 251 774 2228 (mit dem Zusatz: "FAO Office
of His Excellency Ayatollah al Udhma Khamenei")
His Excellency Ayatollah Mahmoud Hashemi Shahroudi, Head of the
Judiciary, Ministry of Justice, Ministry of Justice Building, Panzdah-Khordad
Square, Tehran, IRAN
(oberste Justizautorität - korrekte Anrede: Your Excellency)
KOPIEN AN:
Governor of Kordestan, Esmail Najjar (Gouverneur der Provinz Kurdistan
- keine Postanschrift verfügbar)
E-Mail: via http://en.ostan-kd.ir/Default.aspx?TabID=59
Botschaft der Islamischen Republik Iran, Podbielskiallee 65-67,
14195 Berlin
(S.E. Herrn Mohammad Mehdi Akhondzadeh Basti)
Telefax: 030-8435 3535 - E-Mail: iran.botschaft@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie
in gutem Persisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen
in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten
wir Sie, nach dem 17. August 2007 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as
possible, in English, Arabic, Persian or your own language:
- expressing concern at reports that trade union activist Mahmoud
Salehi is seriously ill in detention in Sanandaj prison, and calling
for him to be granted all necessary medical treatment, if necessary
in specialist medical facilities outside the prison where he is
held;
- calling for him to be granted regular access to his family and
his lawyer.
- calling for the immediate and unconditional release of Mahmoud
Salehi as he is a prisoner of conscience, detained solely for the
peaceful exercise of his right to freedom of expression and association
in connection with the 2004 May Day demonstration, and with his
peaceful trade union activities.