Gliederung

 

1.         Armut in Hannover

1.1       Einwohner

1.2       Sozialhilfe als Indikator für Armut

1.2.1    Sozialhilfe und Geschlecht

1.2.2    Sozialhilfe und Nationalität

1.2.3    Sozialhilfe und Altergruppe

1.2.4    Entwicklung in der Sozialhilfeempfänger/innen von 1996 bis 2000

1.2.5    Entwicklung in der HLU -Bedarfsgemeinschaften nach Haushaltstypen

1.2.6    Sozialhilfe, Kinder und Jugend

 

1.3       Armut in den verschiedenen Stadtteilen

 

1.4       Armut und Arbeitslosigkeit

1.4.1    Arbeitslosigkeit und Nationalität

1.4.2    Arbeitslosigkeit und Altergruppe

1.4.3    Arbeitslosigkeit und Geschlecht

1.4.5    Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Stadtteilen

 

1.5       Entwicklung des hannoverschen Arbeitsmarktes

1.5.1    Entwicklung des Beschäftigungsmarktes

1.5.2    Beschäftigung und Nationalität

 

1.6       Arbeitslosigkeit und allein erziehende Personen

1.6.1    Allein erziehende Frauen in der verschiedenen Stadtteilen

1.6.2    Allein erziehende Frauen mit einen Kind nach Nationalität

1.6.3    Allein erziehende Frauen mit 2 Kindern

1.6.4    Allein erziehende Frauen mit 3 Kindern

1.6.5    Allein erziehende Frauen mit 4 Kindern

1.6.6    Allein erziehende Frauen mit 5 oder mehr Kindern

 

2.         Definition von Armut

2.1       Einkommensarmut

2.2       Relative Armut

2.3       Extreme Armut

2.4       Bekämpfte und verdeckte Armut

 

3.         Armut in Deutschland

3.1       Wer ist arm?

 

4.                  Sozialpolitik zur Bekämpfung von Armut

 

5.         Tabellen

            Tabelle 1-4

            Tabelle 5-8

            Tabelle 9

            Tabelle 10-11

            Tabelle 12-15

            Tabelle 16-17

            Tabelle 18

            Tabelle 19-21

            Tabelle 22-24


Vorwort

 

Mehr als ein Jahr ist vorbei, seitdem ich diese Arbeit anfing. Letzten Sommer arbeitete ich als Praktikantin beim Sozialamt in Hannover. Die Arbeitsatmosphäre habe ich als sehr angenehm empfunden, weil ich als Soziologin respektiert wurde.

 

Ich habe keine Feldstudie gemacht. Meine statistische Zielgruppe ist die Sozialhilfeempfänger/Innen, die unter der Lebensstandardgrenze in Deutschland sind.

 

Es gibt auch versteckte Armut. Die Leute, die aus verschiedenen Gründen ohne Sozialhilfe leben wollen. Deshalb zeigt diese Studie nicht die wirkliche Armut. Aber sie ist besser als Nichts.


    Farkhonde Taghadossi, 1. März 2003


1.      Armut in Hannover*

 

1.1    Einwohnerstruktur

Hannover hat am 01.01.2001 insgesamt 505.648 Einwohner. 265.697 Personen sind Frauen (52,5%). 239.951 Personen sind Männer (47,5%). Das bedeutet: in Hannover wohnen 25.746 mehr Frauen als Männer. Oder man kann sagen: mehr als die Hälfte der Einwohner sind weiblich.

85 Prozent der Einwohner sind deutsch und 15 Prozent nichtdeutsch.


Diagramm (1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Etwa 15 Prozent der hannoverschen Einwohner sind zur Zeit unter 18 Jahre alt (77.426 Pers.); der Anteil der Deutschen liegt bei 12 Prozent und der Anteil der Nichtdeutschen bei 3 Prozent. 335.368 der Einwohner ist in der Altergruppe 18 bis 64 Jahre, davon 279.451 Deutsche und 55.917 Nichtdeutsche. In der Altergruppe 65 und älter sind insgesamt 92.854 Personen, mehr als 18 Prozent der Einwohner.

 


Diagramm (2)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

 

* Definition von Armut wird am Ende des Textes erläutert
1.2    Sozialhilfe als Indikator für Armut

 

Am Stichtag 31.12.2000 haben über 37.162  Personen in Hannover Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU) bekommen. Das bedeutet, dass mehr als 7 Prozent der Einwohner Sozialhilfeempfänger/innen sind.

 

1.2.1 Sozialhilfe und Geschlecht

 

54,2  Prozent der Sozialhilfeempfänger sind weiblich und 45,8 Prozent sind männlich. Es zeigt, dass die weibliche Bevölkerung eher als männliche Bevölkerung in  Armut leben.


Diagramm (3)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

1.2.2      Sozialhilfe und Nationalität

 

55 Prozent der deutschen Sozialhilfeempfänger sind Frauen und 45 Prozent sind Männer. Bei den Nichtdeutschen ist es wie bei den Deutschen. Der Anteil von Frauen ist größer als bei den Männern: 53 Prozent Frauen und 47 Prozent Männer.

 


Diagramm (3.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle


1.2.3 Sozialhilfe und Altergruppe

 

34 Prozent aller HLU- Personen sind unter 18 Jahre alt.

46 Prozent der minderjährigen Sozialhilfeempfänger/innen ist in der Altersgruppe 

0 bis 7 Jahren.

Das bedeutet 34 Prozent der Armen in Hannover sind Kinder und Jugendliche. Sie und ihre Familien haben eine Einschränkung der Wahl- und Teilhabemöglichkeiten, wie zum Beispiel Musikveranstaltungen oder Sporttraining, Kino- oder Zoobesuch, Ausflüge, Urlaub u.s.w.. Dazu kommen weitere Einschränkungen bei der materiellen Daseinvorsorge ( Wohnung, Ernährung, Kleidung, ...).

 


Diagramm (4)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Diagramm (4.1)


Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 


Am 31.12.2000 gehörten 8,7 Prozent ( 3.089 Pers.) der HLU- Empfänger der Alters-


Gruppe der 18 bis 25jährigen an. Das war etwas weniger als in den vier vorangegangenen Jahren.

Diagramm (5)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle


Diagramm (6)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 


 


Diagramm (6.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

 

1.2.4 Entwicklung in der Sozialhilfeempfänger/innen von 1996 bis 2000

 

Der Anteil von HLU- Empfänger/innen ist im Vergleich zu den vier vergangen Jahren gesunken: 5 Prozent für das Jahr 1997, 7 Prozent für das Jahr 1998, 7 Prozent für das Jahr 1999 und 1,5 Prozent für das Jahr 2000. Es zeigt sich in allen Altersgruppen, außer in der Altersgruppe über 65 Jahre. Das bedeutet: die deutsche Bevölkerung wird jedes Jahr älter.

 

1.2.5 Entwicklung in den HLU-Bedarfsgemeinschaften nach Haushaltstypen

 

Am 31.12.2000 war der Anteil der Haushaltstypen "1 Person und Paar mit Kindern" geringer als in den vier vergangen Jahren.

Der Anteil des Haushaltstyps ohne Kind ist in dieser Zeit um 22 Prozent gewachsen.

Der Haushaltstyp allein erziehende Personen ist im 1996 und 1997 angewachsen und dann in den Jahren1998 und 1999 wieder gesunken.


Diagramm (7)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

1.2.6 Sozialhilfe, Kinder und Jugend

 

Mehr als 12.000 Kinder und junge Menschen unter 18 Jahren bekamen am 31.12.2000 in Hannover Sozialhilfe  ( 12.168 Pes.). Das bedeutet, jedes fünfte Kind unter 7 Jahren ( 18 % ) und jedes sechste unter 15 Jahren lebte in Armut. Es zeigt , gut jeder dritte Sozialhilfeempfänger ist jünger als 18 Jahre.


Diagramm (8)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle


 

Diagramm (8.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 


1.3    Armut in den verschiedenen Stadtteilen

 

Eine große Anzahl von HLU- Empfängern wohnen in 10 Stadtteilen. Es gibt keine Unterschiede zwischen Deutschen und Nichtdeutschen in der Dichte. Aber es kann gesellschaftliche Probleme vorbereiten. Ein Stadtteil mit soviel armen Menschen reproduziert die Kultur von Armut.

 


Diagramm (9)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Es gibt 52 Stadtteile in Hannover. Mehr als 15 Prozent von Sozialhilfeempfänger/-innen wohnen in den oben genannten 10 Stadtteilen. Das bedeutet, in diesen 10 Stadtteilen lebt der größte Anteil (jeder siebte alle HLU- Personen) der Armen.

52 Prozent ist männlich ( 3031 Pers ) und 48 Prozent ist ( 2784 Pers.) weiblich.

Groß-Buchholz liegt mit 858 Sozialhilfeempfänger/innen an erster Stelle. In diesem

Stadtteil wohnen 386 deutsche und 472 nichtdeutsche HLU- Empfänger.

 

Folgende 10 Stadtteile haben die geringste Dichte von HLU- Empfänger/innen. Davon haben die Stadtteile Waldheim , Iserhagen Süd und Lahe den niedrigsten Anteil von HLU- Personen, aber man kann nicht sagen, dass Sie am reichsten sind.


Diagramm (10)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle


1.4    Armut und Arbeitslosigkeit

 

Es ist möglich, auf einige wichtige Wurzeln der Arbeitslosigkeit hinzuweisen:

-         Ununterbrochen steigende technische und organische Zusammensetzung des Kapitals.
Es ist das Wesen des Kapitalismus, dass es möglich macht, das höchst mögliche konstante Kapital mit der minimalsten Arbeitskraft zu erwirtschaften. Dies wird von Arbeitslosigkeit begleitet, wenn die Arbeitskraftsteigerungsrate die Entwicklungsrate der Kapitalakkumulation übertrifft.
Dies ist vor allem in der 80er Jahren in einem großen Teil der kapitalistischen Welt aufgetreten. In Westeuropa ist in diesem Zusammenhang die absolute Zahl der Industriearbeiter in den letzten 10 Jahren gesunken. Wir sehen diese Tatsache auch in anderen Produktionsbereichen und auf allen Ebenen des Dienstleistungsbereiches wie Banken-, Versicherungs-, Transportsbereich u.s.w.

-         Verlängerung der täglichen Arbeitszeit, sowohl offiziell als auch inoffiziell, auch dieses Phänomen ist auf der ganzen Welt zu beobachten.

-         Die Arbeitszeit wird verlängert, weil die Arbeiter/innen Überstunden machen, da ihr Lohn nicht ausreicht, ein normales Leben zu führen. Aber sie bereiten gleichzeitig mehr Reichtum für eine kleine Minderheit vor.

 

Die Arbeiterklasse hat für das jetzige soziale Netz lange gekämpft, z.B. für 

-         Die 40-Stunden-woche. Zur zeit wird in vielen Ländern die 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich akzeptiert. Wenn alle Arbeiter/innen 35 Stunden pro Woche arbeiten, werden Millionen von Arbeitsstunden frei, somit können viele Arbeitslose eine Arbeitsplatz finden.
Kapitalexport in Gebiete, in denen die Löhne niedriger sind. Das kann innerhalb der Industrieländer oder in die Peripherieländer geschehen, Beispiel dazu: Investitionen von der BRD in England oder China.

 

 

1.4.1 Arbeitslosigkeit und Nationalität

 

Diagramm (11)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Diagramm (11.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

22239 Personen der Arbeitslosen sind deutsche und 9477 sind nichtdeutsche.

Somit beträgt der Anteil der Deutschen an der Gesamt-Arbeitslosigkeit 70% und der Anteil der Nichtdeutschen 30%

17% alle Nichtdeutschen in der Altersgruppe18 bis 64 Jahre sind arbeitslos, dagegen in der gleichen Altersgruppe der Deutschen nur 7,95%.

Das bedeutet, dass die Chance der nichtdeutschen Menschen auf Arbeit nur halb so groß ist, wie für Deutsche.

 

1.4.2 Arbeitslosigkeit und Altersgruppe


Diagramm (12)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 


Diagramm (12.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Rund ein Zehntel aller Arbeitlosen sind Jugendliche unter 25 Jahre.

Der Anteil dieser Altergruppe an der Gesamtarbeitslosigkeit liegt bei 10 Prozent.

90 Prozent alle Arbeitslosen sind zwischen.25 und 64 Jahren alt.

 


Diagramm (13)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 


Diagramm (13.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Insgesamt gibt es 9154 Arbeitslose in den beiden Altersgruppen 1) unter 25 Jahre und 2) 55 Jahre und älter.

Die beiden Altersgruppen sind interessant, da die erste die neue Kraft für den

Arbeitsmarkt darstellt und besonders beobachtet werden muss, weil für sie der Arbeitsmarkt problematisch werden kann.

Die zweite ist die Altersgruppe kurz vor dem Ruhestandsalter. Ihre Zukunft sollte gesichert sein.

 

1.4.3 Arbeitslosigkeit und Geschlecht


Diagramm (14)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle


Diagramm (14.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

 

Die Zahl der Arbeitslosen in Hannover im Dezember 2000 beträgt 31.716 Personen. Es zeigt sich, dass 9,45% der Altersgruppe von 18 bis 64 Jahre arbeitslos sind.

9,45% Arbeitslosigkeit ist keine gute Indikation und das kann als allgemeines ökonomisches, soziales und politisches Warnsignal für die Gesellschaft betrachtet werden.

40% der Arbeitslosen sind Frauen und 60% sind Männer.

 

1.4.5  Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Stadtteilen


Diagramm (15)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Im Vergleich mit Sozialhilfeempfänger/innen zeigt es sich, dass alle Stadtteile mit einem hohen Anteil an Sozialhilfe auch einen hohen Anteil an Arbeitslosen haben.

So ist z.B. Groß-Buchholz mit dem höchsten Anteil an HLU -Personen an vierter Stelle im bezug auf den Anteil an Arbeitslosen; die Südstadt, an zehnter Stelle in bezug auf HLU -Personen steht an dritter Stelle in bezug auf den Anteil an Arbeitslosen.

Die 10 oben erwähnten Stadtteile sind ein Alarm-Signal für die Stadt Hannover.

Die Menschen in diesen 10 Stadtteilen haben ein höheres Armutsrisiko.


1.5    Entwicklung des hannoverschen Arbeitsmarktes

 

1.5.1 Entwicklung des Beschäftigungsmarktes

Die Anzahl der erwerbtätigen Personen ist seit Anfang 1990 bis 1992 gestiegen, dann ist sie 7 Jahre lang, also bis 1998 regelmäßig gesunken.

 

Im Jahre 1999 ist sie geringfügig gestiegen, aber im Jahre 2000 kam es - wohl auch

Wegen der Expo zu einem steigen Wachstum. Es gab 17013 beschäftigte Personen mehr, als im Jahre 1998.


Diagramm (16)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Die zu- und Abnahme der Beschäftigung in Hannover bewegt sich parallel zur internationalen wirtschaftlichen Situation. Es zeigt, dass die Periode der Stangnation permanent länger wird und die Periode des Zuwachses dagegen kürzer wird.

 

1.5.2 Beschäftigung und Nationalität


Diagramm (17)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Statistikstelle

 


Diagramm (17.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Statistkselle

 

Im Jahre 2000 sind in Hannover 293475 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 87,5% dieser Personen sind in der Altersgruppe 18 bis 64 Jahre.

270100 (92%) sind Deutsche und 23375 (8%) sind Nichtdeutsche.

Sie arbeiten als Angestellte und Arbeiter in verschiedenen Wirtschaftsabteilungen, wie Landwirtschaft, Bergbau, Energiewirtschaft, Wasserwirtschaft, verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe, Handel, Verkehr, Kredit- und Versicherungsgewerbe sowie sonstige Dienstleistungen und Organisationen ohne Erwerbszweck.

 

1.6    Arbeitslosigkeit und allein erziehende Personen

 

Allein erziehende Personen im Vergleich mit anderen Gruppen haben ein höheres Armutsrisiko, besonders die allein erziehenden Frauen.


Diagramm (18)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Diagramm (18.1)

Quellet: Landeshauptstadt Hannover, Statistikstelle

 

Es gibt 11.420 allein erziehende Personen in Hannover, die einen eigenen Haushalt haben.

10.981 (96%) sind Frauen. Der Anteil allein erziehender Männer beträgt 439 (4%). Es müsste erforscht werden,  aus welchen Gründen das so ist.

 

Etwa 50% von allen allein erziehenden Personen in Hannover wohnen in den 10

oben erwähnten Stadtteilen. 5.138, das entspricht 94%, sind Frauen und 304 (6%) sind Männer.

4.765 (87,5%) sind Deutsche und 677 (12,5%) sind Nichtdeutsche. Mehr als 95% aller deutschen allein erziehenden Personen und mehr als 88% aller nichtdeutschen allein erziehenen Personen sind Frauen. Das bedeutet, dass bei allen Nationalitäten, die in Hannover wohnen, die Frauen mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen als Männer. Das bedeutet auch, dass die Frauen aufgrund der Kindererziehung weniger Chancen haben, sich zu qualifizieren und um dadurch bessere Arbeitsmöglichkeiten zu finden.

 

1.6.1 Allein erziehende Frauen in der verschiedenen Stadtteile

 


Es gibt einige Stadteile, in denen eine große Anzahl von allein erziehenden Frauen

leben.

Diagramm (19)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Statistikstelle

 

Von 53 Stadtteilen in Hannover, haben die oben angegebenen 10 Stadtteile den höchsten Anteil an allein erziehenden Frauen.

Den ersten Platz belegt mit 1.034 allein erziehenden Frauen der Stadtteil List.

 

1.6.2 Allein erziehende Frauen mit einen Kind nach Nationalität


Diagramm (20)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Statistikstelle

 


Diagramm (20.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

94% aller allein erziehender Frauen mit einem Kind sind deutsche und 6% sind nicht-deutsche.

 

Allein erziehende Frauen mit einem Kind bilden den größten Anteil, nämlich 62% an allen allein erziehenden Personen.

 

 


 

1.6.3 Allein erziehende Frauen mit 2 Kindern

 

Diagramm (21)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diagramm (21.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Statistikstelle

 

Es gibt 1859 allein erziehende Frauen mit 2 Kindern in Hannover. 81% von ihnen sind Deutsche und 19% sind Nichtdeutsche.

 


1.6.4 Allein erziehende Frauen mit 3 Kindern

 

Diagramm (22)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Diagramm (22.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Statistikstelle

 

78% aller allein erziehenden Frauen mit 3 Kindern sind Deutsche und 22% sind Nichtdeutsche.

 

 

 

 

 

 


 

1.6.5 Allein erziehende Frauen mit 4 Kindern

 

Diagramm (23)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Diagramm (23.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Statistikstelle

 

77% aller allein erziehenden Frauen sind Deutsche und 235 sind Nichtdeutsche.

Sie bilden 96% allen allein erziehenden Personen mit 4 Kindern. 4% der allein erziehenden Personen mit 4 Kindern sind Männer.

 

 

 

 

 

 


1.6.6 Allein erziehende Frauen mit 5 oder mehr Kindern

 

Diagramm (24)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover Statistikstelle

 

Diagramm (24.1)

Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Statistikstelle

 

67% der allein erziehenden Frauen mit 5 oder mehr Kindern sind Deutsche und 33

% sind Nichtdeutsche.

Bei der Gruppe allein erziehender Frauen mit 5 oder mehr Kindern, bildet die Gruppe der nichtdeutschen Frauen mit 33%, den höchsten nichtdeutschen Anteil an allen Gruppen allein erziehender Frauen. So liegt der Anteil bei allein erziehenden Frauen mit 4 Kindern bei 23%, mit 3 Kindern bei 22%, mit 2 Kindern bei 16% und mit einem Kind bei 6%.

 

 

 


2. Definition von Armut

 

Es gibt verschiedene Definitionen von Armut.

Traditionellerweise wird mit dem Begriff Armut ein Mangel an Geld, ein Mangel an Finanziellem verbunden, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

 

Wenn heute von Armut gesprochen wird, geht es in den meisten Fällen um den Mangel an Lebenschancen, um am alltäglichen Leben in vollem Umfang teilhaben zu können. Beispiele dafür sind Personen, die auf dem Arbeitsmarkt keine „Chance“ haben, oder andere die auf dem Wohnungsmarkt „chancenlos“ sind.

 

Das wissenschaftlich begründete „Konzept der Lebenschancen“ ist für die Definition von Armut geeignet. Es bezeichnet die Gesamtheit der Chancen von Menschen, an den materiellen und immateriellen Gütern der Gesellschaft teilzuhaben.

Für den Armutsbegriff auf dieser Grundlage wird eine begriffliche Unterscheidung vorgeschlagen in : - Teilhabearmut und

- Einkommensarmut

 

Von Teilhaberarmut spricht man bei Personen, die unter besonderen Benachteiligungen zu leiden haben.

Die Armut kann unter dem Blickwinkel der Teilhaber vielerlei Gestalt annehmen, weil die Versorgungslage in mehreren zentralen Lebensbreichen zu betrachten ist. Die Bereiche reichen von den finanziellen Ressourcen über die soziale Sicherheit, die Wohnungsversorgung, die Freizeitbedingungen, den gesundheitlichen Zustand und das soziale Verhalten. Aber auch in der alltäglichen Arbeit der Jugend-, Familien-, Gesundheits- und Wohnungshilfe ist die Armut ein zu bearbeitendes Thema.

 

2.1    Einkommensarmut

 

- Mit dem Konzept der Einkommensarmut rückt die Verfügbarkeit über finanzielle Ressourcen als Schlüssel zur Erlangung aller lebenswichtigen Güter in den Blickpunkt.

In einer Zusammenfassung zur Einkommensarmut hat die EG-Kommission das Modell der „relativen Armut“ empfohlen.  Danach werden Personen als „arm“ bezeichnet, die über weniger als 50% des durchschnittlichen nationalen Nettoeinkommens pro Kopf der Bevölkerung verfügen. *1

 

2.2    Relative Armut

 

Armut im Sinne von Ungleichheit gemessen als relativ Armut: arm ist, wer im Vergleich zu den „mittleren“ Standards einer Gesellschaft über nur geringe Ressourcen verfügt.

Armut gemessen an politisch-normativen Vorgaben: arm ist, wer Anspruch auf Sozialhilfe hat.

In den empirischen Beiträgen über Armut geht man von der sogenannten „relativen Armut“ aus, d.h. in den meisten Fällen von einer „relativen

Einkommensarmut“ die auf das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Gesamtniveau unserer Gesellschaft bezogen ist.

 

Die Schwelle, unterhalb der „relative Armut", liegt bei der Hälfte der durchschnittlichen Nettoeinkommen, diese lag in Westdeutschland um das Jahr 1995 bei  941,- DM pro Monat.

 

Der Rat der Europäschen Union definiert 1984 verarmte Personen als „Einzelpersonen, Familien oder Personengruppen, die über entsprechend geringe ( materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen."

 

 

* 1 Zur Armutsberichterstattung für Hannover, Novembern1992


In dem 80er- und 90er- Jahren bis heute ist die Armut als Sozialstaats- und Modernisierungsprodukt zu fassen.

 

Innerhalb der Armutsforschung und Armutsanalyse werden verschiedene Varianten der relativen Armut definiert, wobei verschiedene Armutsgrenzen nach dem relativen Abstand zum Durchschnittseinkommen von Haushalten mit gleicher Personalzahl gezogen werden.

 

Aus den Ergebnissen des sozio-ökonomischen Panels ( SOEP ) von 1995 können folgende Zahlen für die entsprechenden Armutsschwellen abgeleitet werden:

Die 40 %-Grenze wird häufig auch als strenge Armut bezeichnet.

40 % des gewichteten durchschnittlichen pro Kopf- Einkommens bezeichnet die Grenze, unterhalb der die sogenannte strenge Armut vorliegt; für 1995 betrug diese Grenze laut SOEP 735,- DM.

 

Die 50 %-Grenze wird als mittlere Grenze in der Regel in internationalen Studien, z.B. innerhalb der EU, verwendet und betrug 1995 laut SOEP 941,- DM.

 

Die 60 %-Grenze schließt auch „armutsnahe Einkommenspositionen“ , genannt „Niedrigeneinkommensgrenze“, ein. Sie betrug 1995 laut SOEP

1.129,-,DM. Zu dieser Gruppe gehören Personen und Haushalte die an der Grenze zur Verarmung stehen und ein hohes Risiko tragen, weiter in die Armut abzurutschen.

 

Waren es in den 60er- und 70er- Jahren vor allem alte Menschen und Frauen, die als armutsgefährdet galten, so sind es heute vor allem allein erziehende Mütter und Familien mit mehreren Kindern sowie in der Folge Kinder und Jugendliche und allein lebende Männer wie Frauen .

Außerdem ist bei der ausländischen Bevölkerung ein im Vergleich zur deutschen Bevölkerung höheres Armutsrisiko zu konstatieren. * 2

 

2.3    Extreme Armut  

 

Die Lebenssituation von Personen in extremen Unterversorgungslagen wird durch bisherige Untersuchungen nur unzureichend beleuchtet. Auch die amtlichen Statistiken liefern keine hinreichenden Angaben über Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und von Maßnahmen des System sozialer Sicherung noch nicht oder nicht mehr erreicht werden ( z.B. Obdachlose oder Straßenkinder).

 Obdachlose und Straßenkinder sind die Menschen in extremer Armut. *3

 

2.4    „Bekämpfte und verdeckte Armut“

 

Es sind die Begriffe der „bekämpften“ und der „verdeckten“ Armut, die sich beide an der „Armutsgrenze“ des Bundessozialhilfegesetzes orientieren.

Mit dem Begriff der bekämpften Armut werden jene Personen bezeichnet, die sozialhilfeberechtigt nach dem Bundessozialhilfegesetz sind und die Leistun-

gen der Sozialhilfe auch beziehen.

 

Unter dem Begriff der verdeckten Armut werden Personen subsumiert, deren Einkommen unterhalb der Sozialhilfe liegt. Diese Personen müssen also mit einem Einkommen leben, dass unterhalb des offiziell definierten sozial-kulturellen Existenzminimums liegt. Es sind Personen, die Anspruch auf Hilfe zum Lebensunterhalt hätten, aber diese nicht beziehen wollen oder nicht wissen, dass Sie einen Anspruch haben.

 

 

*2 Armut in Stuttgart, Sozialbericht1

*3 Lebenslagen in Deutschland


Manche Kritiker halten Sozialhilfeempfänger nicht für arm, da durch die Sozialleistungen ein Existenzminimum geschaffen wird. In der wissenschaftlichen Diskussion gelten Bezieher von Sozialhilfe unbestritten als arm.

 

3.      Armut in Deutschland

 

Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung am 27. Januar 2000 damit beauftragt, einen Armuts- und Reichtumsbericht zu erstellen. Die

Bundesregierung setzte diesen parlamentarischen Auftrag mit der Vorlage

des Berichts „Lebenslagen in Deutschland – der erste Armuts- und

Reichtumsbericht der Bundesregierung“ um. Der Bericht orientiert sich an der Definition des Rates der Europäischen Gemeinschaft von 1984. Vor dem Hintergrund dieses differenzierten Armutsverständnisses wird Armut unter einer Reihe von Gesichtspunkten, etwa relativer Einkommensarmut, kritischen familiären Lebensereignissen, sozialen Brennpunkten in Großstädten, Obdachlosigkeit und Überschuldung sowie mangelnden Bewältigungskompetenzen beschrieben.*4

Die Bestandsaufnahme und Analyse der Entwicklung in Deutschland bis 1998 zeigt in fast allen Lebensbereichen, dass soziale Ausgrenzung zugenommen und Verteilungsgerechtigkeit abgenommen hat. Die Arbeitslosigkeit hatte im Jahre 1998 in Deutschland mit rd. 4,3 Mio. Menschen im Jahresdurchschnitt dramatische Ausmaße angenommen. Die damit verbundenen Transferleistungen – insbesondere zur Überwindung von Langzeitarbeitslosigkeit und existenzieller Armut - stiegen stark an. Immer mehr Familien waren auf Sozialhilfe angewiesen.

 

In Deutschland hat sich der Abstand zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren ständig vergrößert. Jetzt werden zunehmend die allein Erziehenden und ihre Kinder als Armutsrisiko Nummer eins betrachtet.*5

Die Armutsberichterstattung ist in der Bundesrepublik bisher auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene unzureichend und uneinheitlich entwickelt.*6

In fast allen größeren Städten Deutschlands wächst kontinuierlich die Gruppe der Sozialhilfeempfänger/innen an. Allein von 1994 auf das Jahr 1995 war in Deutschland ein Anstieg der Zahl der Sozialhilfe beziehenden Personen um 9,1 Prozent festzustellen. Am 31. Dezember 1995 erhielten etwa 2,52 Millionen Empfänger/innen „Hilfe zum Lebensunterhalt“ nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG).  Die Brutto-Sozialhilfeausgaben sind im Zeitraum 1993 bis 1995 von rund 49 auf 52 Milliarden DM gestiegen, hochgerechnet für das Jahr 1966 auf etwa 55 bis 56 Milliarden DM. Jüngere Untersuchungen belegen, dass die „Dunkelziffer der Armut“ in den letzten Jahren sogar noch gewachsen sein dürfte.*7

 

3.1    Wer ist arm?

 

„Arm“ ist nach materiellen Ressourcen, wer aus seinem eigenen Einkommen oder Vermögen nicht die zur Lebensführung erforderlichen Mittel schöpfen kann.

„Arm“ ist nach existentieller Notlage im Sinn von absoluter oder primärer

Armut, wer nicht genügend Mittel zum physischen Überleben hat.

 „Arm“ ist in dem Sinne von Ungleichheit gemessen als relative Armut, wer im Vergleich zu dem „mittleren“ Standard einer Gesellschaft über nur geringe Ressourcen verfügt.

„Arm“ ist nach politisch-normativen Vorgaben, wer Anspruch auf Sozialhilfe hat.

Nach der Definition des Rates der EU von 1984, gelten die Personen, Familien und Gruppen als arm, „die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise

 

 

 

*4           Lebenslagen in Deutschland

*5           Interview mit Ulrich Schneider

*6           Resolution des Bundskongresses Soziale Arbeit Tübingen, 14 -16. 09. 1995

*7           Bericht über die Entwicklung der Armut in Kiel, 1998

 

 

 ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist“.*8

Leute , die ohne staatliche Hilfe ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, bekommen Sozialhilfe aus verschiedenen Gründen, das sind z.B.:

·        Arbeitslosigkeit

·        Gesundheitliche Probleme

·        Psychosoziale Probleme