Prison's Dialogue
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Im Exil lebende ehemalige politische Gefangene (Iran)

Antikapitalistischer Redebeitrag
Abgesehen von einer schwer nachweisbaren frühen Epoche des Matriarchats ist die Geschichte der Frauen eine Geschichte der Unterdrückung, Entwürdigung, Beleidigung und Diskriminierung. Die Unterdrückung der Frau und die Aufteilung der Gesellschaft in Klassen fanden gleichzeitig statt. Es entstand die monogame Beziehung, die allerdings nur für die Frau galt, und die Frau wurde als Privateigentum der Männer betrachtet. Die monogame Ehe war eine Institution, die der Anhäufung von Reichtum in den Händen weniger Männer diente. So entstand die Groß-, später die Kleinfamilie im Zusammenhang mit der Entstehung von Klassen. Mit der Familie als Privateigentum der Männer wurde die produktive Rolle der Frau zurückgedrängt. Die Familie wurde als Ort der Reproduktion begriffen und als Folge wurde die reproduktive Rolle der Frau gestärkt. Durch die dominante Position der Männer in der Familie entstanden patriarchalische Verhältnisse, die als ein Teil der Vorstellungswelt der herrschenden Klasse zum gesellschaftlichen „Normalzustand“ wurden. Bis heute profitieren alle Männer davon. Die Männer der Arbeiterklasse nützen diese Situation aus, um ihre Machtlosigkeit im Betrieb zu verdrängen! Die Frauen selbst haben in der Familie bewusst oder unbewusst an der Reproduktion dieser Verhältnisse teil.
In der Zeit der bürgerlich-kapitalistischen Herrschaft zerstörte die Bourgeoisie nicht nur alle feudalen Verhältnisse, sondern gestaltete gleichzeitig die Institutionen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen nach ihren Bedürfnissen. Nehmen wir zum Beispiel die patriarchalischen Verhältnisse und die Familie. Im Kapitalismus und seiner Familienstruktur sind die Unterdrückung und Gewaltverhältnisse gegen Frauen Keineswegs verschwunden. Weil die Löhne der Männer nicht ausreichten, um eine Familie vollständig zu versorgen, waren die Frauen gezwungen, zusätzlich zur unbezahlten Familien- und Hausarbeit in Fabriken oder anderswo zu arbeiten. So entstand eine neue billige Arbeitskraft, was zuerst die männlichen Arbeiter verärgerte. Diese Zwangsarbeit und die Integration der Frauen in den gesellschaftlichen Produktionsprozess änderte auf der einen Seite das Frauenbild und brachte für Frauen mehr Bewusstsein und Selbstbewusstsein, war insofern eine Voraussetzung für ihre Befreiung, und schwächte auf der anderen Seite auch die dominante Position der Männer zu Hause.  

Das bedeutet aber nicht, dass das Kapitalistische System auf der Seite der Frauen ist. Die Existenz des Kapitalismus ist abhängig von der Akkumulation von Kapital und diese wiederum von der Ausbeutung der Arbeiterklasse. Deswegen wird die Konkurrenz als ein wichtiges Element benutzt, um die Arbeiterklasse zu spalten und die weitere Akkumulation zu garantieren. Die patriarchalischen Verhältnisse sind in dieser Situation sehr dienlich. Die Arbeitsteilung nach Geschlechtern, die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und bei der Karriere, ungleiche Löhne für gleiche Arbeit, die Entstehung der weiblichen Billiglohnsektoren sowie die Teilzeitarbeit sind Ergebnisse dieses Prozesses, die manche Frauen dazu bringen, in der männlichen Arbeitskraft den Feind zu sehen statt in der Ausbeuterklasse. Solange es in der Arbeiterklasse eine solche Spaltung nach Geschlechtern gibt, vergrößert sich die Gefahr stärkerer Ausbeutung und Arbeitslosigkeit für alle Lohnabhängigen, besonders aber für die weibliche Arbeitskraft. Der Kapitalismus hat tausend Gesichter. In jeder Zeit zeigt er sich so, wie es für den Erhalt des Systems nötig und für die Bedürfnisse des Kapitals funktional ist. Die Erscheinungsformen variieren zwischen Liberalismus, Reformismus, Neoliberalismus, Rechtsradikalismus, Faschismus.
Wir alle, besonders wir Frauen, die mit der mehrfachen Belastung leben, sind für die soziale Lage in der Gesellschaft verantwortlich. Unser Kampf gegen alle Formen der heutigen Barbarei kann die Quelle trockenlegen, aus der sich die Barbarei speist. Im Kapitalismus gibt es nur 2 Klassen. Weil wir zur Arbeiterklasse gehören, gibt es nur einen Weg im Kampf gegen die schlechten Arbeitsbedingungen der Lohnabhängigen sowie gegen die Diskriminierung und schrecklichen Lebensbedingungen der Frauen, gegen das Patriarchat, gegen Rassismus, gegen die Gefahr der Rückkehr des Faschismus. Dieser Weg ist der gemeinsame Kampf gegen Kapitalismus. Ein Kampf für die Abschaffung des Lohnarbeitssystems und für die Befreiung der Gesellschaft und der Frauen.

Eine andere Welt ohne Ausbeutung und Herrschaft ist möglich.
Patriarchat und Rassismus bekämpfen! Kapitalismus abschaffen!


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